ISSN 1618-2162

Cover Heft 17

6. Jahrgang, Heft 17, Mai 2006

Workshops

Bericht von der 1. Fachtagung "Mobilität und Mobile Informationssysteme"

Passau, 20. bis 22. Februar 2006

Im März 2005 wurde die neue GI-Fachgruppe "Mobilität und Mobile Informationssysteme" (MMS) gegründet. Ziel dieser interdisziplinär orientierten Fachgruppe, die zu den Fachbereichen Wirtschaftsinformatik und Datenbanken und Informationssysteme gehört, ist es, eine Plattform für den Austausch von Lösungen und Problemstellungen innerhalb der einzelnen Communities, insbesondere aber zwischen den unterschiedlichen beteiligten Communities zu schaffen.

Vom 20. bis 22. Februar fand nun die erste Tagung dieser Fachgruppe im Rahmen der MKWI 2006 in Passau statt. Im Vorfeld der Tagung wurden im Rahmen eines Begutachtungsprozesses aus den eingereichten Beiträgen knapp 40% als Langbeiträge ausgewählt, diese sind im LNI-Tagungsband der Konferenz veröffentlicht. Darüber hinaus konnten eine Reihe von Beiträgen, die Erfahrungsberichte oder erste Ergebnisse präsentieren, als Kurzbeiträge angenommen werden. Diese Beiträge sind über die Webseite der Fachgruppe (www.gi-mms.de) zugreifbar. Der folgende Bericht soll einen Eindruck von den betrachteten Fragestellungen geben.

Die Organisatoren der MKWI boten unserer Teilkonferenz mit der Keynote von Alois Ferscha (Uni Linz) einen auf "unsere" Thematik geradezu maßgeschneiderten Einstieg. Ferschas Vortrag "Das Internet der Dinge" zeigte visionär, welche Anwendungen mobiler Technologie in Zukunft denkbar sind und welche Probleme angegangen werden müssen, um sie auch realisierbar zu machen.

Für die MMS selber konnten ebenfalls zwei eingeladene Vorträge gewonnen werden: Rainer Malaka (EML Heidelberg) berichtete über Herausforderungen und Ansätze kontextbewusster mobiler Informationssysteme - ein Thema, das in den folgenden drei Tagen noch häufiger aufgegriffen wurde. Richard Witthüser, Geschäftsführer des Content-Providers Magum GmbH, stellte in einem sehr eindrucksvollen und unterhaltsamen Vortrag der Konferenz die "500-Mrd.-Euro-Frage": Warum sind Datendienste im Mobilfunkmarkt bisher weitgehend erfolglos und die UMTS-Netze weitgehend leer? Sein Fazit: Das mobile Medium birgt unverändert sehr großes Potenzial - das allerdings nur dann realisiert werden kann, wenn man sich endlich auf die Stärken des Mediums besinnt, Markthemmnisse abbaut und sich an den tatsächlichen Bedürfnissen des Endkunden ausrichtet.

Das wissenschaftliche Programm bestand aus 14 Lang- und 8 Kurzbeiträgen, die im Folgenden kurz angerissen werden sollen.

Im ersten Vortrag der Konferenz entführte Hagen Höpfner (IU Bruchsal) die Zuhörer tief in die Techniken von Datenbanksystemen und stellte ein Verfahren vor, mit dem effizient entschieden werden kann, für welche mobilen Klienten welche Änderungen, die auf einem zentralen Server anfallen, relevant sind. Datenbanktechniken finden auch in der Arbeit von Joos-Hendrik Böse (FU Berlin) Verwendung. Sein Ziel ist es, auf Basis eines probabilistischen Modells das Zusammenwirken von Geräten in Ad-hoc- Netzen transaktional zu schützen und insbesondere beim Ausfall von Geräten noch zu einem geordneten Abschluss der Transaktionen zu kommen. Birgitta König-Ries (Uni Jena) stellte in ihrem Erfahrungsbericht dar, wie Technologien mobiler Datenhaltung Studierenden vermittelt werden können.

Eine ganze Reihe von Vorträgen schilderte Anwendungen für den Einsatz mobiler Geräte und ihre Umsetzung: Christoph Göth (Uni Zürich) stellte ein System vor, mit dem Touristen interaktiv durch ein unbekanntes Terrain geführt werden, die vorhandenen Informationen durch eigene Annotationen ergänzen und so quasi nebenbei ein Reisestagebuch erstellen können. Xiaopeng Tan (Uni Mannheim) schilderte am Beispiel dreier Fallstudien Verbesserungspotenziale in der Distributionslogistik durch den Einsatz mobiler Informationstechnologien. Ebenfalls aus der Praxis stammt der Ansatz zur diskreten und kontinuierlichen Verfolgung von Stückgut auf Basis von GSM-Zellenkennungen, den Christian Hillbrand (V Research) beschrieb und der bei einem großen österreichischen Speditionsunternehmen zum Einsatz kommen soll. Thomas Klauer (CIP Ingenieurgesellschaft mbH) schließlich diskutierte Potenziale, aber auch Herausforderungen beim Einsatz mobiler Rechner für Anwendungen im Bau- und Infrastrukturwesen wie z.B. Kampfmittelräumung und Bauwerksprüfung. Stefan Mitsch (FH Hagenberg) erläuterte, wie mobile Informationssysteme die Sicherheit bei der Anlagenwartung deutlich erhöhen können.

Die Vorträge von Ilja Kyrbus (Uni Frankfurt/Oder) und Titus Faupel (Uni Freiburg) berichteten über Studien zum tatsächlichen Einsatz mobiler Technologie. Beide zeichneten ein (noch) eher ernüchterndes Bild. Andre Riedel und Björn Ortelbach (Uni Göttingen) beschrieben, wie Geschäftsmodelle für die neue WiMAX-Technologie aussehen könnten, und zeigten insbesondere den großen Einfluss staatlicher Regulation auf die Erfolgspotenziale auf. Zwei Vorträge (Rebecca Bulander (Uni Karlsruhe), Dietmar Wiedemann (Uni Augsburg)) widmeten sich Möglichkeiten und Schwierigkeiten mobilen Marketings. Tamara Högler (Uni Karlsruhe) beschrieb ein Framework für eine holistische Wirtschaftlichkeitsanalyse mobiler Systeme, Matthias Rosner (Uni Münster) ging auf die Geschäftsprozesse der Mobilfunkbetreiber ein.

Markus Kohn vom Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitsschutz legte dar, welche speziellen Herausforderungen mobile Arbeit aus Sicht des Arbeitsschutzes aufwirft.

Zwei Beiträge (Steffen Kern (Uni Jena), Lars Mense (Uni Frankfurt/Oder)) beschrieben die Verwendung mobiler Agenten zur Realisierung mobiler Problemlösungen.

Eine ganze Reihe von Beiträgen schlug den Bogen zurück zum ersten eingeladenen Vortrag und betrachtete die Verwendung von Kontextinformation unter verschiedenen Gesichtspunkten: Daniela Nicklas (Uni Stuttgart) stellte erste Überlegungen dazu vor, wie Kontextinformation in einer "smart factory"-Anwendung zu einer Verbesserung der Arbeitsabläufe verwendet werden kann. Holger Harms (Uni Rostock) beschrieb eine Plattform zum kontextbewussten Informationsaustausch am Beispiel eines Konferenzinformationssystems, während Christian Kaspar (Uni Göttingen) das Besucherinformationssystem eines Museums als Anwendungsbeispiel gewählt hatte.

Die Sessions der Konferenz waren fast durchgängig mit 40 bis über 50 Zuhörern sehr gut besucht. Sowohl während der Sessions als auch in den Pausen fanden intensive Diskussionen statt - und zwar nicht nur innerhalb der einzelnen Communities, sondern in erfreulichem Umfang auch über Community-"Grenzen" hinweg. Die Konferenz war somit ein erster erfolgreicher Schritt auf dem Weg zu der von der Fachgruppe angestrebten Austauschplattform.

Weitere Aktiviäten der Fachgruppe befinden sich bereits in Planung: Im Oktober wird ein Arbeitstreffen der Fachgruppe in Schloss Dagstuhl stattfinden. Für das nächste Jahr ist die Beteiligung an der WI 2007 (Karlsruhe) geplant. Die 2. MMS-Konferenz wird im März 2007 gemeinsam mit der BTW in Aachen stattfinden. Nähere Informationen finden Sie auf der Webseite der Fachgruppe (www.gi-mms.de). Wenn wir Ihr Interesse geweckt haben, würden wir uns über Ihre Mitarbeit freuen!

Prof. Dr. Thomas Kirste
Universität Rostock
Institut für Informatik
Albert-Einstein-Str. 21
18059 Rostock
mmis [at] informatik [dot] uni-rostock [dot] de
www.informatik.uni-rostock.de/mmis

Prof. Dr. Birgitta König-Ries
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Institut für Informatik
Ernst-Abbe-Platz 1-4
07743 Jena
koenig [at] informatik [dot] uni-jena [dot] de
www.minet.uni-jena.de

Dr. Key Pousttchi
Prof. Dr. Klaus Turowski
Universität Augsburg
Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering
Universitätsstr. 16
86159 Augsburg
key [dot] pousttchi [at] wiwi [dot] uni-augsburg [dot] de
klaus [dot] turowski [at] wiwi [dot] uni-augsburg [dot] de
http://wi-se.wiwi.uni-augsburg.de

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