ISSN 1618-2162

Cover Heft 16

6. Jahrgang, Heft 16, Februar 2006

Peter C. Lockemann

Agenten und Datenbanken: Freunde oder Feinde?

Abstract

Dies ist eine gemeinsam mit René Witte überarbeitete Fassung meiner Abschiedsvorlesung vom 4. März 2005. In einer Abschiedsvorlesung darf man ja gelegentlich seine Lehren aus der Vergangenheit ziehen und zugleich etwas über die Zukunft spekulieren, ohne sich immer gleich wissenschaftlicher Strenge unterwerfen zu müssen. Dass die Vorlesung aber doch nicht so falsch liegen kann, bewiesen die Diskussionen während und im Gefolge eines Vortrags der überarbeiteten Fassung [Lockemann & Witte 2005].

Einführung

Agenten und Datenbanken sind, so scheint es, völlig verschiedene Welten. Die Agententechnik war lange Zeit eine Domäne der Verteilten Künstlichen Intelligenz (VKI), für sie stehen "weiche" Eigenschaften wie soziales und organisatorisches Verhalten interagierender Elemente gleichrangig neben rein technischen Fragestellungen. Die Datenbanktechnik dagegen ist eine "harte" Ingenieurdisziplin, die sich um das nichtflüchtige Speichern immenser und stetig wachsender Informationsbestände kümmert.

Also Gegner? Nicht unbedingt, denn bei näherem Hinsehen müsste es auch Berührungspunkte zwischen beiden Techniken geben. Agenten verarbeiten Informationen, Datenbanken liefern sie. Agentengesellschaften erscheinen mehr und mehr als natürliches Modell für lose gekoppelte verteilte Systeme, die Datenbanktechnik sieht ihre Aufgabe zunehmend bei der Unterstützung hochgradig verteilter Informationssysteme.

Allzu viel hatten sich die beiden Welten bisher aber nicht zu sagen. Obwohl Agenten langlebig sind und ein gewisses Bild ihrer Umwelt mit sich tragen müssen, also sehr wohl eine kleine Datenbasis mit sich führen sollten, hat sich die Agententechnik kaum mit der Datenbanktechnik beschäftigt. Und die Datenbanktechnik bringt bislang kaum Verständnis für eine Technik auf, deren Elemente ein unvorhersehbares und nicht so recht fassbares Verhalten zeigen.

Die Datenbanktechnik gilt als ausgereifte Technik. Aber auch die Agententechnik wird allmählich erwachsen. Grund genug für Untersuchungen, ob man nicht doch aus der Verbindung beider Techniken einen Mehrwert ziehen kann. Ungeschoren werden beide Techniken dabei aber kaum davonkommen. Als Datenbänker wollen wir uns hier aber nur mit einer Seite der Medaille beschäftigen: Was muss die Datenbanktechnik tun, um der Agententechnik entgegenzukommen? Wir werden dazu in zwei Schritten vorgehen: Im ersten Teil führen wir in die einschlägigen Eigenschaften von Agenten und Agentengesellschaften ein, um dann im zweiten Teil der Frage nachzugehen, ob man manche Vorstellungen in der Datenbanktechnik überdenken sollte, wenn man sie mit der Agententechnik zusammenbringt, und wie die erforderlichen Anpassungen aussehen könnten. Am Ende werden wir uns dann fragen, welcher neuartige Wert sich aus der Verbindung beider Techniken gewinnen lässt.

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